13 Nov

Segen Knappheit

Geschrieben von Prof. Dr. Hans-Peter Schwöbel

 

Jetzt als Podcast anhören:

EichhörnchenmitNuss.jpg

Fotos: Hans-Peter Schwöbel. Mannheim, November 2021.


Knappheit als Treiber und Gestalter von Zivilisation

Knappheit sehe ich als Segen, weil sie des Menschen Geist beflügelt, Wege zu ihrer Überwindung zu suchen. Wahrer Ökonom (Homo Oeconomicus) ist für mich nicht, wer rigoros seinen Vorteil sucht, sondern wer verantwortungsbewusst, erfinderisch und rational mit Knappheit umgeht.

Wenn er dies tut, darf und muss er auch Geld verdienen, das er als kluger Haushalter in künftigen Umgang mit Knappheit investieren kann. Für die Ökonomin gilt dasselbe. Wenn der Gender-Mob diese Selbstverständlichkeit einmal begreifen würde, könnten wir an diesem Nonsens-Thema massenhaft Zeit, Energie, CO2, Druckerschwärze, Papier und vieles mehr einsparen und so Knappheit reduzieren.

Knappheit als Treiber und Gestalter von Evolution

Knappheit lässt nicht nur dem Geist der Menschen Flügel wachsen. Stellen wir uns das Eichhörnchen vor – ein Muster an ökonomischer Kompetenz. Im Herbst versucht es, mit möglichst geringem Aufwand Nüsse zu finden, um sie mit möglichst geringem Aufwand in Verstecke zu bringen, die vor der Entdeckung durch andere Eichhörnchen und Raben geschützt aber fürs eigene Wiederfinden geeignet sein sollten: Eine Menge Kosten-Nutzen- und Risiko-Erwägungen, die in hohem Tempo zu treffen sind. Da Eichhörnchen so wenig perfekt sind wie Menschen, finden sie nicht mehr alle Nüsse, sorgen so für Nachwuchs bei Nussbäumen und dienen dem Allgemeinwohl. Wer mag ausschließen, dass ein Eichhörnchen die eine oder andere Nuss absichtlich „vergisst“, um als guter Ökonom für seine Ur-Urenkel der Knappheit vorzubeugen?

Wenn dem Eichhörnchen die geschälten Nüsse ins offene Mäulchen fallen würden, wäre es nicht dieser goldige, bezaubernde Kobold, den man einfach mögen muss, sondern eine träge, taube Nuss.

Lang lebe die Knappheit! Und das Eichhörnchen!

Siehe auch:
Humanpotential: Ökologie und Ökonomie. In: Hans-Peter Schwöbel: Vom Fleisch der ewigen Vergänglichkeit. Essays und Plädoyers 1. Verlag der Ostwestfalen-Akademie. 2. durchgesehene Auflage 2021. Seite 75 ff.


Eichhörnchen.jpg

 

Der Schwöbel-BLOG am Samstag, 13. November 2021