31 Jul

Peanuts?

Geschrieben von Prof. Dr. Hans-Peter Schwöbel

 

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Foto: Hans-Peter Schwöbel. Neckar, Mannheim Juli 2021

Ich stelle den Klimawandel nicht in Abrede. Auch nicht menschengemachte Anteile an diesem Geschehen. Im Gegenteil: Ich vermag mir nicht vorzustellen, die Verdreifachung der Weltbevölkerung im Laufe einer Lebensspanne von 70 Jahren von 2,5 Milliarden (1950) auf fast 8 Milliarden (2020) und der ebenso explosionsartige Anstieg von Materie-, Energie- und Flächenverbrauch mit entsprechendem Schadstoffausstoß, Abfallbergen und Erosion könne ohne Wirkung auf das Klima bleiben.

Jedoch:

Die weitgehende Verengung der Klimadebatte auf das Thema CO2 lässt eine Menge hochwirksamer Faktoren im Prozessgeschehen Mensch-Technik-Wetter-Klima unbeachtet oder in den Hintergrund treten: Bevölkerungswachstum. Siedlungsverdichtung und Fehlbesiedlung. Massive groß- und kleinflächige Bodenversiegelung. Wüstenbildung durch Überweidung und Übernutzung von Land, Wasser und weiteren Ressourcen.

Mir fällt keine Weltregion ein, die nicht erheblich beteiligt wäre. Der besondere Schuldvorwurf an den Westen ist Teil der Dämonisierung von Demokratie und „Kapitalismus“. Und er erzeugt den Wahn, wir (...Deutschland!), hätten es in der Hand, die Welt zu retten. Pointe am Rande: Die Rettung der Welt durch Deutschland wird von genau jenen gefordert, die dieses Land am liebsten abschaffen würden.

Populistisches Instrumentalisieren von „Klimawandel“ hat längst zu anti-ökologischen Umarmungen „fortschrittlicher“ Kräfte mit der Windenergie-Industrie geführt. Im Bündnis mit den FFM (Folgsam Framenden Medien) sollen weiter massenhaft Windräder in Meere und Landschaften gestellt werden. Gefahren für Gesundheit und Umwelt werden ausgeblendet, Widerstand wird moralisch delegitimiert. Was bedeuten schon Herz- und Kreislaufprobleme von Menschen, die unter den Schall-Emissionen der Windräder leiden, was bedeutet schon das Vernichten von Insekten, Vögeln und anderen Lebewesen, was bedeutet die ästhetische Dekonstruktion von Landschaft, was bedeuten die schädlichen Auswirkungen auf lokale Klimata im Umfeld der Riesen-Räder, wenn es um die Rettung der Welt geht? Peanuts.

Die Wir-retten-die-Welt-Inszenierungen werden gewürzt mit anti-kapitalistischer Rhetorik. Ein wirksames Verführungswort heißt „Bürokratieabbau“. Damit kann man in Deutschland leicht imponieren, auch wenn es sich in Wahrheit um Abbau von Mitsprache im Falle existenzieller Betroffenheit handelt. Der Bürokratismusvorwurf bedient negative Selbstklischees, die denen, „die schon länger hier leben...“ seit Jahrzehnten aufgenötigt werden.

Tatsächlich ist mit beschleunigten Genehmigungsverfahren für Eingriffe in Natur und Landschaft nicht Bürokratieabbau zu feiern. Vielmehr ist Demokratieabbau zu erwarten. Die „fortschrittlichen“ Kräfte, die uns mit infantilen und anti-emanzipatorischen Genderspielen die Zeit stehlen, illegale Einwanderung unterstützen, Debatten dominieren und Menschen ausgrenzen, die auch nur Fragen stellen - sie verkumpeln sich mit machtvollen Kapital-Fraktionen. Ungeniert greifen sie in die Schatulle des Staates, den sie demonstrativ verachten. Der hält ihnen (zur Buße) gerne den Beutel hin, besonders in Wahlkampfzeiten.

Da sage noch einer, populistische Politik sei primitiv. Gott bewahre – sie ist raffiniert.

Der Schwöbel-BLOG am Samstag, 31. Juli 2021