27 Feb

Albert Camus

Geschrieben von Prof. Dr. Hans-Peter Schwöbel

 

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Albert Camus

Führender Einzelgänger
Im Januar 1960 starb Albert Camus bei einem Autounfall. Ein großer Geist Frankreichs und Europas. Es lohnt sich, sich mit seinem Werk auch heute wieder zu befassen. Manche werden in den Tagen, Wochen, Monaten, Jahren... mit Sars-CoV-2 und seinen Mutanten angeregt, eines seiner Hauptwerke, DIE PEST (Paris 1947) erneut oder erstmals zu lesen.


Camus ist ein eigensinniger Kopf. Er passt nicht in unsere Zeit, wie er schon in seine Zeit nicht passte. Umso mehr bedürfen wir seiner. Kein Wunder, dass er von der Pariser Schickeria ausgegrenzt wurde, an der Spitze die eitlen Opportunisten Simone De Beauvoir und Jean-Paul Sartre. Jenes Zeitgeistpärchen, das mit seiner im rauchgeschwängerten Café geborenen „existenzialistischen Freiheitsphilosophie“ ganze Generationen närrisch machte und sich gleichzeitig den Stalinisten anbiederte. Sehr vernünftig für Leute, die um jeden Preis Karriere machen wollen; denn Stalinisten und Maoisten waren auch damals mächtig in der Intelligenzija. Der antidemokratische Islamogauchisme unserer Tage, der als Vereinigung von Linksextremismus und Islamismus, Frankreich bedrängt und schadet, ist aus den USA herübergeschwappt. Aber auch der alte Linksextremismus Frankreichs feiert in diesem Bündnis unselige Urständ. Der Schoß ist fruchtbar noch...

Was in diesen Milieus nicht geduldet wird (nicht nur in Frankreich), sind Menschen mit Eigensinn. Camus ist ein führender Einzelgänger. Seine Ausgrenzer sind führende Mitläufer. Der Gauchiste (Linksextremist) Sartre war sich auf seine alten Tage nicht zu blöde, in den Straßen von Paris maoistische Zeitungen zu verkaufen und den dummdreisten Terroristen Andreas Baader aufzuwerten, indem er ihn in Stammheim besuchte. Wohlgemerkt: Dies alles zu Zeiten, als jeder längst um die enormen Verbrechen Mao Tsetungs und des Stalinismus-Leninismus-Maoismus in vielen Teilen der Welt wusste.

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Manés Sperber

Auch einer meiner großen Lehrer, der Sozialpsychologe, Schriftsteller und Philosoph Manès Sperber, wurde von De Beauvoir, Sartre und Konsorten in Paris mit ausgefahrenen Ellbogen zur Seite geschoben. Sie hatten ein sicheres Gespür für Menschen, die Geist, Wissenschaft und Aufrechten Gang zu bieten hatten. Die mussten eliminiert werden.

Nur Dummköpfe langweilen sich...
DIE WELT, Samstag, 13. Februar 2021 publiziert ein Gespräch mit Albert Camus‘ Tochter Catherine. Unter anderem wird sie gefragt: „Erinnern Sie sich noch an einen bestimmten besonderen Moment?“ Antwort Catherine Camus: „An viele! Ich sagte ihm einmal, mit zwölf oder 13: ‚Papa, ich langweile mich!‘, und er antwortete mir: ‚Du gehst mir auf die Nerven!‘ Und ich sagte: „Aber Papa, ich langweile mich so!‘ Da erwiderte er: ‚Nein, nur Dummköpfe langweilen sich.‘ Ich habe mich nie wieder gelangweilt.“

Was für ein wunderbarer Vater! Was für ein lernfähiges Kind! Welch ein Qualitätsunterschied zu dem pseudopädagogischen Müll, der unsere Kinderzimmer, Klassenzimmer und politisch korrekte Medien füllt, der Eltern kindisch macht und Kinder nicht erwachsen werden lässt.

Meine Frau, Susanna Martinez, konnte als Lehrerin Schülern auch unverblümt Bescheid geben. Wenn zum Beispiel ein Bub versuchte, mit läppischem Getue die Aufmerksamkeit der Klasse auf sich zu lenken, konnte es passieren, dass meine Frau ihn lange und durchdringend ansah und sagte: „Du bist kein Idiot; dann benimm Dich auch nicht wie einer!“ Die Wirkung war immer stark und nachhaltig und hätte mit zehn Sitzungen beim Schulpsychologen nicht erreicht werden können. Viele ihrer Schülerinnen und Schüler verehren sie heute noch, gerade weil sie eine strenge und deutliche Lehrerin war.

Der Schwöbel-BLOG am Samstag, 27. Februar 2021