13 Feb

Warum zieht’s mich zu Kühen hin?

Geschrieben von Prof. Dr. Hans-Peter Schwöbel

 

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Auf dem Bild sehen Sie mich 1951 als knapp Sechsjährigen, wie ich meine Muh-Tanten Luise (an meiner Hand) und Lina beim Mistfahren führe. Die Bäuerin Hilde im Hintergrund konnte sich darauf verlassen, dass wir keine Dummheiten machen. Luise und Lina waren aus dem Spielalter raus. Und ich hatte schon als Kind keine Lust auf „Spielen“ im Sinne von Blödsinn machen, die Großen ärgern, oder ihnen mit läppischem Verhalten die Zeit zu stehlen. Lieber habe ich mitgearbeitet und so Anerkennung gefunden. Mir wäre nie in den Sinn gekommen, den ehrwürdigen Muh-Tanten kindisch zu kommen. Ich durfte nicht nur die lieben, wohlriechenden Kühe führen, sondern auch beim Verteilen des Mistes helfen. Auch der roch gut. Heute würde der Schrei „KINDERARBEIT!!!“ durch die Netze hallen. Wenn ich „Djüa!“ sagte, schritten die Tanten weiter. Wenn ich „Brrr!“ sagte, blieben sie stehen. Ich liebte sie.

Auf dem Rückweg ins Dorf, saßen Hilde und ich auf dem Mistwagen. Auch Hilde konnte ihre Gedanken schweifen lassen; denn die Kühe brauchten „heemzuus“ keine Führung. Allenfalls mal eine kleine Aufmunterung, unterwegs nicht einzuschlafen. Sie kannten den Weg, und wären ganz alleine in den richtigen, in ihren Hof gefahren. (Eberstadt bei Buchen)

Traumfragen
Warum zieht es mich zu Kühen hin?
Vielleicht, weil ich selbst ein Mädchen bin?
Weil ich ein Mädchen bin...?

War ich vielleicht schon als Kind ein Alter Weiser Mann? Oder gar eine Alte Weise Frau?

Inzwischen durften wir ja lernen, dass das Geschlecht und andere scheinbare Konstanten wie Alter und Hautfarbe in Wahrheit Fluide sind. In unserem Goldenen Zeitalter können schon Kleinkinder wählen, ob sie heute ein Mädchen sein wollen und morgen ein Bub oder irgendetwas Anderes aus vielen Dutzenden Geschlechtsidentitäten. Tendenz steigend. Das Geschlecht ist bekanntlich nichts weiter als ein „soziales Konstrukt“...

Ich bin gespannt, was meine lieben Rindviehcher sagen, wenn sie erfahren, dass ihr Geschlecht ein soziales Konstrukt ist. Wahrscheinlich werden es die Ochsen sein, die dieser These am ehesten zustimmen können. Aus persönlicher Erfahrung.

(siehe auch Der Schwöbel-BLOG am Samstag, 06. Februar 2021)


Der Schwöbel-BLOG am Samstag, 13. Februar 2021