24 Aug

Die Frommen. Die Frömmeren. Die Frömmsten. Und die Ungläubigen.

Geschrieben von Prof. Dr. Hans-Peter Schwöbel

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Im Folgenden beziehe ich mich auf das Geistliche Wort vom Sa, 27. Juli 2019 im MANNHEIMER MORGEN

Unter „Framing“ versteht man kommunikatives Verhalten, mit dem Themen, Thesen, Erfahrungen, Mutmaßungen und Menschen eingerahmt und andere ausgegrenzt werden. Framen heißt, Wahrnehmungen, Empfindungen und Ideen steuern.

Das Erkennen von Framing ist eine Frage geübter Aufmerksamkeit. Als Grundübung zur Analyse medialen Framings kann ich u. a. das „Geistliche Wort“ empfehlen, ob in der Zeitung oder im Radio. Im obigen Beispiel haben sich der muslimische Autor, Ugur Yilmaz, und der katholische, Jochen Winter, zur geistlichen Doppelspitze zusammengetan.

 



Wie im Geistlichen Wort häufig, beginnen sie mit pauschalen Unterstellungen gegen eine Minderheit, die vom Main-Stream zur Bejagung freigegeben ist. Diesmal sind es Menschen, die Wohnungen zur Vermietung auf dem Wohnungsmarkt anbieten. Ihnen wird übel genommen, dass sie ein Wörtchen mitreden wollen, wem sie ihre Wohnung auf lange Zeit überlassen. Manche der möglichen Mieter scheinen ihnen näher zu stehen als andere. Die beiden Autoren kennen die Motive der konkreten Vermieter nicht. Sie wissen aber, dass diese Vorurteile haben.

Unter den vielen Unterschieden zwischen den Menschen hat die political correctness nur einen übrig gelassen: das Vorurteil. Die „Bösen“ haben es, die „Guten“ leiden darunter. Ohne diese „Vorurteile“ könnte allen alles gelingen - immer und überall; denn vor Gott sind wir doch alle gleich. Das könnte zum Beispiel heißen: Gott hat alle Menschen gleichermaßen mit hohen Begabungen gesegnet. Und zwischen diesen göttlichen Begabungen und ihren verdienten Erfolgen stehen nur die Vorurteile der Anderen...

Im Geistlichen Wort erfahren wir weiter, dass Jesus, „Friede sei auf ihm“, im Johannesevangelium 14 versprochen hat: „Im Hause meines Vaters gibt es viele Wohnungen.“ Und, was im Himmel wahr ist, kann hienieden nicht falsch sein: „Wir brauchen Platz für alle!“ Amen.

All dies geistliche Häkeln dient der Rahmung unserer Wahrnehmungen, Erwartungen, Überzeugungen. Und dem Schüren von Schuldgefühlen. Nun kommt der Befreiungsschlag! Was trüge mehr zur Überwindung von Vorurteilen bei, als ein Zitat aus der Abschiedspredigt des Propheten Muhamed, „Friede sei auf ihm“: „Ein Araber ist nicht mehr wert als ein Nichtaraber, noch ist ein Nichtaraber mehr wert als ein Araber; weder ist ein Schwarzer mehr wert als ein Rothäutiger, noch ein Rothäutiger mehr als ein Schwarzer; das einzige Maß der Überlegenheit ist Frömmigkeit.“

Mein Kommentar: Natürlich interessieren den Propheten ethnische Unterschiede nicht, beansprucht er doch für sich und seine göttliche Botschaft Weltgeltung. Für ihn sind alle Menschen gleich - sofern sie sich seiner Botschaft beugen. Man muss fürchten, dass weder den beiden wackeren Geisteshäklern noch ihren diversen Vorgesetzten der Atem stockte, angesichts dieses Satzes: „... das einzige Maß der Überlegenheit ist Frömmigkeit...“ Hier trifft das Geistliche Wort den Kern koranischer Botschaft. Das Buch predigt die Macht der frommen Muslime über die Ungläubigen. Das sind alle anderen, incl. der jeweils „anderen“ Muslime.

Die Frommen selbst bilden eine Hierarchie: fromm, frömmer, am frömmsten. Da wir Menschen einander nicht in Herz und Hirn schauen können, läuft dies auf einen Wettlauf bigotten Gebahrens im Kampf um Anerkennung, Macht und Einfluss hinaus. Fromme Überlegenheit durch Rituale, Kleidung, Sprache, Gestus, Blick und vor allem Position im Universum der Gläubigen... Und: Wehe den Ungläubigen.

Seit Menschengedenken wachsen Tyranneien aus dem Primat der Frömmigkeit. Auch Christen haben über Jahrhunderte aus Überlegenheit-durch-Frömmigkeit Elend über die Welt gebracht. Nicht zu vergessen die pseudo-religiösen Bigotterien der Jakobiner, der Nazis, der Stalinisten, der Maoisten - um nur einige zu nennen.

Stoßgebet: Herr, bewahre uns vor der Macht der Frommen und segne uns mit dem Geist der Aufklärung!