17 Aug

framing: einrahmen – ausgrenzen – absahnen

Geschrieben von Prof. Dr. Hans-Peter Schwöbel

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Man nennt es „Sprachregelung“. Dahinter steht die Einsicht, dass man einen Sachverhalt in unterschiedliche sprachliche Gewänder kleiden kann, um Denken und Fühlen zu beeinflussen. Ein Beispiel ist jenes Glas, von dem man ebenso sagen kann, „es ist halb voll“, wie „es ist halb leer“. So praktizieren Parteien, Regierungen, Oppositionen, Gewerkschaften, Konzerne, Kirchen, Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO) Medien, Werbung und viele Andere Sprach- Klang- und Bild-Regelungen, um Geist und Gemüt von Konsumenten und Konsumentinnen, Gehorchern und Gehorcherinnen, Tätern und Täterinnen, Unterlassern und Unterlasserinnen zu ihrem Bestem zu formen. Wohlgemerkt: zu ihrem Besten.

Der Begriff Sprachregelung, der schon genug Kommunikationsmacht verschleiert, wurde inzwischen ergänzt durch das englische Wort „Framing“, das heißt: Rahmen, Einrahmen, Formen. „Framing“ ist geschmeidiger als „Sprachregelung“ und weniger verständlich - deshalb wurde es verbreitet. Es fällt aber auf, dass die „Haltungsmedien“ das Wort schnell wieder aus dem Verkehr gezogen haben, um unliebsame Diskussionen zu beenden. Das Wort Framing wird inzwischen wieder vermieden – nicht die Tat; denn es wird weiter „geframed“. Mächtige Kommunikatoren setzen Wort- und Deutungsrahmen, um Themen zu dominieren und Menschen auszugrenzen, die sich nicht in ihren Rahmen pressen lassen.

 



Das Wort Rahmen lässt uns eher an ein „Innen“ als an ein „Außen“ denken. Tatsächlich schließt aber ein Rahmen (z.B. ein Bilderrahmen) viel mehr aus als ein. Wer Framing analysieren will, muss besonders darauf achten, was nicht mitgeteilt wird. Einst fragte der Kabarettist Werner Finck: „Habe ich mich unklar genug ausgedrückt?“ Wohlgemerkt stellte er diese Frage in der Nazi-Zeit.

Wie kann man dahinter kommen, was alles nicht kommuniziert wird? Dazu muss man ungewohnte Medien einbeziehen – zum Beispiel auch ausländische. Und: im Internet findet sich eine Fülle verantwortungsbewusster, demokratischer Blogger und Bloggerinnen. Ich werde hin und wieder auf Quellen hinweisen, mit denen ich gute Erfahrungen mache. Auch ich selbst will mit meinem Der Schwöbel-BLOG am Samstag und mit meinen sonstigen Publikationen, Vorträgen und Auftritten zum selbstbestimmten Wahrnehmen und Denken ermutigen. Wie eh und je.

Wenn wir uns fragen, wieso offenkundiges Framing gerade in jenen Publikationen, die sich selbst als Leit-Medien sehen, so machtvoll wirken kann, stellen wir Folgendes fest: Das Ein-Rahmen und Aus-Grenzen entspricht einem „linken“ Main-Stream - massenhaft getragen von Mitläufern, die ausgerechnet sich selbst als Widerstandskämpfer sehen. Es ist zum Schreien...

Dazu passt, dass sich in Deutschland Bundes- und Landesregierungen, Kirchen, Kommunen, Medien und Bildungsorganisationen nicht lumpen lassen, wenn es darum geht, artiges Framen zu belohnen. Deshalb findet man an den entsprechenden Gehirn-Waschmaschinen Politiker, Journalisten, Wissenschaftler, Pfarrer, Lehrer, Künstler und Künstlerinnen, die schon immer diensteifrig dort warten, wo’s warm rauskommt. Es ist die hohe Zeit für Ab-Sahner.

Siehe auch: Hans-Peter Schwöbel: SCHWÖBELS WACHE, S. 50 ff. Heureka-Schriftenreihe. Verlag der Ostwestfalen-Akademie. Borgentreich 2019.

Überraschung!

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