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Gefunden in: Verein Deutsche Sprache (VDS) www.vds-ev.de
Sprachnachrichten Nr. 107 (III/2025), Seite 46
Rückkehr aus dem Wasser nur für Zufußgehende und zu Kreuzekriechende…
Hans-Peter Schwöbel
Im Paradies straft der HERR seine schwachen Geschöpfe, weil sie vom Baum der Erkenntnis genascht haben. Alle drei gleichermaßen: Die listige Schlange, die schwache Eva und den noch schwächeren Adam. Ich habe gegenüber dieser heiligen Legende immer eine starke Reserve empfunden. Susanna Martinez hat ihre Sicht auf die Ambivalenzen dieser Menschengeschichte so formuliert:
Baum der Erkenntnis
Vielleicht sind wir
aus dem
Paradies vertrieben worden
Weil
wir nur
in die Frucht gebissen
Weil
wir sie nicht ganz
zu uns genommen haben
Susanna Martinez
Früh haben Menschen das Janusköpfige des Erkennens empfunden: Verstehen bedeutet Erleuchtung und Verdunklung gleichermaßen; denn es füllt nicht einfach eine Leere. Neue Erkenntnis bedeutet auch, Vertrautes und Verstandenes zu verlieren, Gewusstes zu vergessen. So weit, so menschlich.
Aber nie werde ich akzeptieren, dass das Streben nach Erkenntnis verwerflich, gar eine Sünde sei. Der Zwang und die Freiheit, Verstehen wollen dürfen zu müssen, zeichnet den Menschen aus. Hier kommt aber auch die alte Feindin des Erkennenwollendürfenmüssens ins Spiel: Nein, nicht die Schlange – es ist die Dummheit.
Der Theologe Ernst Käsemann hat die Dummheit als die ERBSÜNDE bezeichnet. Dummheit, nicht zuerst verstanden als intellektuelles Unvermögen (das kommt oft noch hinzu), sondern als Weigerung zu verstehen, was mit gesundem Menschenverstand verstanden werden kann. (1) Oft halten Menschen das Brett vor ihrem Kopf mit beiden Händen fest. Nichts fürchten sie mehr als den freien Blick auf die Wahrheit.
Die Versuchungen der Dummheit überwindenwollendürfenzumüssen, gehört zu den Mühen täglicher Menschwerdung und zum emanzipatorischen Streben nach dem aufrechten Gang.
„Zutritt nur für Schwimmende“ ist ein vollendeter, geradezu aphoristischer Ausdruck solcher Dummheit. Es passt zu anderen Fundstücken wie „Wählendenverzeichnisse“ oder die Verkehrsunfallstatistik „…tote Radfahrende…“.
Plopp, Plopp – schon wieder zu nahe an der Wand geschaukelt…
„die ehemaligen Teilnehmenden“
„Das Stahlunternehmen GMH Gruppe zeigte hingegen unfreiwillig den Vorteil einer generischen Form auf. „Unsere Auszubildende Julia Kortlüke gehört zu den Top 10 Schweißer:innen Deutschlands – und ist die beste weibliche Schweißerin im Land!“ Schade, dass man aus der tollen Leistung dieser Frau gerade in einer Männerdomäne einen weißen Schimmel macht.“
All diese Dokumente habe ich den Sprachnachrichten des VDS entnommen. Der Verein Deutsche Sprache (VDS) gehört zu den mutigen und unverdrossenen Verteidigern der Deutschen Sprache und des gesunden Menschenverstandes. Er verdient jedes Interesse und jede Unterstützung. Machen Sie sich kundig über diesen Verein.
Liebe Schwestern und Schwesterinnen, Brüder und Brüderinnen, lassen Sie uns Ideen sammeln, um die Gender-Wirren, woken Penner*Innen und Machtling*Innen in ihre eigenen Sekrete zu tunken.
(1) Zu diesem Thema empfehle ich meinen Essay DUMMHEIT in: Hans-Peter Schwöbel: Macht kritisch. Essays. Poesie. Analysen. GHV 2023. Seite 157 ff.
Der Schwöbel-BLOG am Samstag, 29.11.2025








