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Foto: Hans-Peter Schwöbel
Wenn – dann
Wer will, der kann!
Hans-Peter Schwöbel
Einer meiner großen Lehrer, Karl Popper, sagt: „Es gibt keine Legitimation, einen Vortrag zu halten oder einen Essay zu veröffentlichen, außer, um zu provozieren. Popper war ein leiser, höflicher, freundlicher Mann. Provozieren stellte er sich nicht als dreistes Getue vor, sondern als geistiges Herausfordern. In seiner Tradition sehe ich mich.
Mein Denken, Sprechen, Schreiben, Vortragen und Argumentieren sind Übungen im Projekt: … mich meines eigenen Verstandes zu bedienen. Verbunden mit der Hoffnung, andere Menschen zum Gebrauch ihres eigenen Verstandes zu ermutigen, sei es, in dem sie mir widersprechen oder zustimmen, oder zu anderen Befunden und Schlüssen gelangen.
Hin und wieder mache ich mir den Geist Anderer dienstbar, bzw. diene diesem. Zu den Autoren, die mich mit ihrem gescheiten Kopf seit langem begleiten, gehört Fatina Keilani. Sie zeigt, dass klares Denken kein Zufall ist, sondern das Grundmuster einer Persönlichkeit, auf das man sich verlassen kann. Im Folgenden gebe ich einen ihrer Essays uneingeschränkt wieder. Sie zeigt, wie weit Deutschland (und Europa) ihre weiland produktiven, beispielgebenden und selbstbewussten Kulturen verloren haben, aber auch, wie leicht es wäre, wieder Tritt zu fassen – wenn wir nur wollen.
Fatina Keilani, Redakteurin im Ressort Meinungsfreiheit
DIE WELT print und digital, 24.07.2026:
„Wenn der Staat seine Versprechen nicht hält
Vertrauen entsteht, wenn der Staat berechenbar und verlässlich handelt. In Deutschland ist die ganz einfache Kausalität von „wenn – dann“ schon seit langem verloren gegangen.
Es folgen einige einfache Sätze voller Selbstverständlichkeiten, die sich im heutigen Deutschland wie Science-Fiction lesen. Es sind Wenn-dann-Sätze. Und es wären noch viel mehr möglich.
Wenn ein Asylbewerber abgelehnt ist, dann muss er das Land verlassen. Wenn er nicht von selbst das Land verlässt, dann wird dafür gesorgt, dass er es tut. Wenn der Staat eine Armee unterhält, dann ist sie einsatzbereit. Wenn dort Mängel bekannt werden, dann sind sie im Folgejahr behoben. Wenn ein Termin vereinbart ist, dann findet er statt. Wenn eine Seite den Termin nicht einhält, dann hat es Konsequenzen.
Wenn man zur Geschäftszeit bei einer Behörde anruft, dann nimmt jemand ab. Dieser Jemand löst entweder das Anliegen oder findet die Person, die es löst. Wenn der Staat Steuern und Beiträge einzieht, dann liefert er dafür funktionierende Verwaltung. Wenn es ein Gesetz gibt, dann gilt es für alle. Wenn Gesetze beschlossen sind, dann werden sie auch vollzogen.“
…
Soweit Fatina Keilani. Ich setze das Zitat ihres Essays und meine Gedanken dazu in den nächsten Blogs / Podcasts fort.
Der Schwöbel-BLOG am Samstag, 22.08.2026








