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Foto: Hans-Peter Schwöbel
Was tun, wenn die Mehrheit einen schlechten Geschmack hat?
Hans-Peter Schwöbel
Noch einmal Immanuel Kant: „Geschmack ist das Vermögen, Qualität zu beurteilen.“
Ein freundlicher Leser hat mich mit Bezug auf diesen Kant-Satz auf folgende Frage aufmerksam gemacht:
„Was tun, wenn in einer Demokratie die Mehrheit einen schlechten Geschmack hat?“
Meine Antwort:
Dass Eliten einen schlechten Geschmack haben, im Sinne mangelnden Vermögens, Qualität zu beurteilen, ist viel wahrscheinlicher als beim Volk - dem großen Lümmel (Heinrich Heine). Was die politisch-medial-religiösen Eliten in Deutschland, Europa und anderen Ländern des Westens uns seit Jahren an Unvermögen zumuten, Qualität hervorzubringen, kann ein Stammtisch mit sechs Schoppen Riesling im Kopf pro Kopf nicht überbieten.
Dafür gibt es systemische Gründe. Die Organisation von Kapital- und Macht-Konvois ist sehr aufwendig. Unmengen an Kommunikation sind erforderlich, um Machtzirkel zu stabilisieren und zum Erfolg zu führen. Erfolg besteht zunächst und vor allem im Erhalt der Macht. Dass Politiker viel Zeit fürs Lesen aufbringen und andere Formen, sich systematisch zu informieren, zu bilden und Dinge gründlich zu durchdenken, ist eher unwahrscheinlich.
Schlimmer noch sind Entscheidungen und Festlegungen, an denen Machtlinge, um der Stabilität ihrer Macht willen, festhalten, auch wenn sie sich längst als falsch erwiesen haben.
Schwere Fehlentscheidungen in Brüssel (EU), Berlin, Paris, London, Washington, New York (UN), Genf (WHO) – um nur einige zu nennen – zu den Themen Corona, Klima, Energie, Umwelt, Migration, politischer Islam, grammatikalisches und sexuelles Geschlecht, werden von aufmerksamen Kritikern nicht erst im Nachhinein erkannt, sondern in Situationen, in denen diese Entscheidungen noch abgewandt und bessere getroffen werden könnten. Wenn die Machtlinge Kritikern nur zuhören würden, statt sie zu dämonisieren und zu verfolgen. Sie wissen, dass Wahrheit ihre Macht zum Einsturz bringen könnte.
Ein Beispiel für dieses grundgesetzwidrige, undemokratische und unchristliche Verhalten ist die „Brandmauer“, die seit Jahren in Deutschland Machtwechsel ausschließt. Das Kürzel AfD ist ein Droh-Wort, das Denk-, Kontakt- und Mitteilungsängste auslöst in Familien, Vereinen, Freundeskreisen, in Parteien und am Arbeitsplatz.
Jedermann kann die AfD öffentlich und privat scharf kritisieren und ablehnen, muss sie nicht mögen und muss sie nicht wählen. Jedefrau auch. Mehr braucht es nicht in einem demokratischen Rechtsstaat. Frau Jedermann und Herr Jederfrau wissen das. Um ihre Ausgrenzung zu vermeiden, müssen sie sich dumm stellen.
Es geht gar nicht um die AfD. Sie ist purer Vorwand. Ziel der Brandmaurer ist die Delegitimierung freier Wissenschaft, freier Medien, demokratischer Willensbildung und gründlicher Opposition. Harald Martenstein hat recht: „Der Kampf gegen rechts ist ein Kampf gegen die Demokratie.“ Längst werden hervorragende, demokratische und grundgesetztreue Medien mit dem Fluchwort „rechtsextrem“ niedergemacht.
Das Muster ist klar: Kritik an Parteien der selbsternannten Mitte, an Regierungen, regierungsnahen „Nicht-Regierungs-Organisationen“ und machtnahen Medien (vor allem ÖRR), sowie konkreten politischen Entwicklungen und Entscheidungen werden gegen alle Wahrheit als Angriff auf die Demokratie gedeutet.
Kritiker werden verleumdet, Kritik wird delegitimiert und illegalisiert. Infantile, aufgehetzte, fanatische Mitläufer üben Gewalt gegen Andersdenkende, wie es am ersten Juli-Wochenende wieder in Erfurt zu erleben war. So zerstören Machtlinge Wissenschaft, Wirtschaft, Meinungs- und Pressefreiheit, Demokratie und Gesellschaft. Sie sind die wahren Feinde des demokratischen Rechtsstaates. Falls uns nicht gelingt, diesem Treiben ein Ende zu setzen, werden wir hohe Preise dafür zahlen.
Die „Brandmauer“ ist ein Stein, auch am Halse ihrer Erbauer
Wenn die „Brandmauer“ überwunden wäre, würde sich in Deutschland Vieles verändern - nicht zuletzt die AfD. Aber ebenso jene Parteien, die bislang ihr Überleben im Schatten einer eigenhirnig hochgezogenen Mauer suchen, werden erfahren, dass ihnen eine Demokratische Demokratie besser bekommt als eine Blockierte Demokratie. Auch ihnen würde ein Stein vom Herzen fallen, sodass sie wieder jung würden, wie ein Adler. (1) Jedenfalls solange sich in ihren Reihen und unter ihren Anhängern noch genügend Menschen finden, die an Demokratie glauben und nicht ins Totalitäre verkommen sind.
(1) „Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat! Er vergibt dir alle deine Sünden und heilt alle deine Krankheiten. Er erlöst dein Leben vom Verderben und krönt dich mit Gnade und Barmherzigkeit. Er sättigt deinen Mund mit Gutem, sodass du wieder jung wirst wie der Adler.“ (Psalm 103, 1 – 6)
In weiteren Der Schwöbel-Blog am Samstag werde ich diese Themen vertiefen.
Der Schwöbel-BLOG am Samstag, 18.07.2026








