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Foto: Hans-Peter Schwöbel
Symptom eines umfassenden Niedergangs
Hans-Peter Schwöbel
In meinem nicht ganz kurzen Leben bin ich weit herumgekommen und in vielen Fällen tief in Kontakt mit Menschen und ihren Kulturen gelangt. Arbeits- und Forschungsaufenthalte in Ost- und West-Afrika, im Iran, in der Karibik. Dazu kommen jeweils mehrere Reisen nach Irland, Israel, Polen, Tschechien, Frankreich, USA – um nur einige zu nennen. Selten Urlaubsreisen, meist Arbeit, Forschung, Kunst, Literatur, Bildung und Versöhnung.
Über Jahrzehnte war Deutschlands Ansehen in der Welt überragend. Ich könnte stundenlang Gänsehautgeschichten erzählen im Hinblick auf die Zuneigung und Wertschätzung, die ich für Deutschland und uns Deutsche erfahren habe.
In diesen Tagen ist das vorbei. Vom Winde verweht, bzw. von wachsender Dummheit und Arroganz hiesiger „Eliten“ und mitläuferischen Gutmenschen verspielt und zerstört. Seit etwa 15 – 20 Jahren entwickeln wir uns zur globalen Lachnummer. Auch dies eine Form von Globalisierung. Das inzwischen regelmäßige frühe Ausscheiden der Deutschen Nationalmannschaft aus der WM ist nur ein Symptom des Niedergangs.
Ulf Poschardt spießt diese Prozesse mit spitzer Feder auf. Ich zitiere seinen Beitrag in DIE WELT vom 30. Juni (digital) und 1. Juli (print) 2026 in großen Teilen:
„Nur ein erfolgreiches Deutschland ist lebenswert
Deutschland verabschiedet sich wieder einmal früh von der WM, und der Bundeskanzler gratuliert diesem Elend auch noch: „Wir sind stolz auf euch.“ Nein, sind wir nicht. Ganz im Gegenteil. Als hätte es noch eine derart blamable Niederlage bei einer Fußball-Weltmeisterschaft gebraucht, um den aktuellen Zustand des Landes zu beschreiben. Zum dritten Mal hintereinander (nach 2018 und 2022) versagt Deutschland auf deprimierende Art. Aus einem Land ehrgeiziger, intelligenter, siegessüchtiger Athleten ist ein Hort fahler Mittelmäßigkeit geworden.
Dieses Land, genauer sein Erfolgsmodell, funktioniert schon länger nicht mehr. Aber die Schönredner und Wegschauer verklären den Status quo und schwätzen unverdrossen ihr Weiter-so. Die ideologischen Zerstörer von Ambition und Exzellenz, die Universitäten und der ÖRR, Kirchen und NGOs dominieren: Sie haben diesem Land mit ihrer Sklavenmoral die Zukunft geraubt. Die moralische Anmaßung dieser herrschenden Sinnpriester basiert auf dem Wohlstand, den jene Generationen aufgebaut haben, die Deutschland 1954, 1974, 1990 und 2014 zu Weltmeistern machten.
Julian Nagelsmann ist ein atmender LinkedIn-Beitrag: Blass und erratisch stolpert er durch seine innere Wüste umfassender Ideenlosigkeit. Der Bundeskanzler gratuliert diesem Elend überschwänglich, lobt Teamgeist und Einsatz. Und dekretiert: „Wir sind stolz auf euch.“ Nein, sind wir nicht. Ganz im Gegenteil.
Wir sind stolz, wenn wir Weltmeister werden. Wir sind stolz, wenn wir Exportweltmeister werden. Wir sind stolz, wenn wir Nobelpreisträger hervorbringen. Wir sind stolz, wenn wir das beste duale Ausbildungssystem haben. Wir sind stolz, wenn die erfolgreichsten und klügsten Menschen der Welt zu uns kommen. Wir sind stolz, wenn bei uns wieder Recht und Ordnung gelten. Der Bundeskanzler radikalisiert seine Anspruchslosigkeit. Der Koalitionspartner von der SPD kann es noch besser – in Gestalt des ehemaligen Gesundheitsministers Lauterbach: Der gibt die Schuld den anderen, in diesem Fall dem Schiedsrichter.
…
Diese fatale Mischung aus Verantwortungslosigkeit und deutschem Größenwahn, der glaubt, dass die deutschen Sonderwege noch irgendjemanden interessieren, eint große Teile der Gesellschaft – von ganz links bis ganz rechts. Am Ende bleibt vom deutschen Exzeptionalismus eine moralische Karikatur: das Mannschaftsfoto in Katar mit den Händen vor dem Mund und die Legoland-Binde der damaligen Innenministerin. Niemand guckt mehr neugierig auf Deutschland, wenn er wissen will, wie Erfolg funktioniert.
…
Das Erfolgsrezept der Fünfzigerjahre war einfach: Wir waren das fleißigste, das ehrgeizigste, das entschlossenste Land, und zwar von morgens bis abends, von Montag bis Sonntag. Es gab keine andere Kultur als die des Aufstiegs, der Wiederaufrichtung, des Kampfes um Weltklasse. Nichts davon findet man aktuell in Deutschland abseits der kleinen Exzellenzcluster, die getragen werden von den weithin verhassten Unternehmern, den wissenschaftlichen Strebern, den fleißigen Patrioten, die in der herrschenden linksgrünen Kultur von morgens bis abends symbolisch mit Füßen getreten werden. Es braucht nicht nur eine radikale politische Wende, sondern auch einen kulturellen Neustart, der das Land zum Erfolg zwingt, drängt und nötigt. Nur ein erfolgreiches Deutschland ist lebenswert. Es geht nur ums Siegen. Jeder, der das Siegen verhindert, soll gehen oder die Klappe halten. Es reicht.“
Soweit Ulf Poschardt.
In meinen folgenden Der Schwöbel-Blog am Samstag werde ich diese Themen weiter vertiefen.
Der Schwöbel-BLOG am Samstag, 04.07.2026








