Mit DER-SCHWÖBEL-BLOG am Samstag erfüllt sich mir wieder mal ein Traum: Denken im Dialog. Dieser Prozess war an meiner Hochschule dreißig Jahre lang mit meinen Studenten in Vorlesungen, Seminaren und Projekten alltäglich. Auch auf der Bühne kann Denken im Dialog gelingen. Voraussetzung sind einfache Rückkoppelungen zwischen Autor und Leser, Dozent und Student, Spieler und Zuschauer, sowie die umstandslose Verfügbarkeit der Texte und Sachverhalte, auf die man Bezug nimmt. Dies ist in meinem BLOG gegeben.
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Ein lieber Freund ließ mich jüngst seine Sorge wissen, ob ich mit meinen Befunden, Analysen, Thesen und Kommentaren nicht Beifall von der falschen Seite erhalten könnte. Ich musste ihm sagen, dass ich diesen Einwand für unzulässig halte. Wer versucht, den „Beifall von der falschen Seite“ zu vermeiden, gibt die Suche nach der Wahrheit ebenso auf wie seine geistige Selbstbestimmung. Er gerät in doppelte Abhängigkeit: in die der „falschen Seite“ und in die derer, die mit dieser Vorhaltung seine Sicht desavouieren wollen, gegen die es ihnen offenbar an Argumenten fehlt. Er akzeptiert fremdbestimmtes Framing. Dazu kann man nur NEIN sagen.
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Im Folgenden beziehe ich mich auf das Geistliche Wort vom Sa, 27. Juli 2019 im MANNHEIMER MORGEN
Unter „Framing“ versteht man kommunikatives Verhalten, mit dem Themen, Thesen, Erfahrungen, Mutmaßungen und Menschen eingerahmt und andere ausgegrenzt werden. Framen heißt, Wahrnehmungen, Empfindungen und Ideen steuern.
Das Erkennen von Framing ist eine Frage geübter Aufmerksamkeit. Als Grundübung zur Analyse medialen Framings kann ich u. a. das „Geistliche Wort“ empfehlen, ob in der Zeitung oder im Radio. Im obigen Beispiel haben sich der muslimische Autor, Ugur Yilmaz, und der katholische, Jochen Winter, zur geistlichen Doppelspitze zusammengetan.
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Man nennt es „Sprachregelung“. Dahinter steht die Einsicht, dass man einen Sachverhalt in unterschiedliche sprachliche Gewänder kleiden kann, um Denken und Fühlen zu beeinflussen. Ein Beispiel ist jenes Glas, von dem man ebenso sagen kann, „es ist halb voll“, wie „es ist halb leer“. So praktizieren Parteien, Regierungen, Oppositionen, Gewerkschaften, Konzerne, Kirchen, Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO) Medien, Werbung und viele Andere Sprach- Klang- und Bild-Regelungen, um Geist und Gemüt von Konsumenten und Konsumentinnen, Gehorchern und Gehorcherinnen, Tätern und Täterinnen, Unterlassern und Unterlasserinnen zu ihrem Bestem zu formen. Wohlgemerkt: zu ihrem Besten.
Der Begriff Sprachregelung, der schon genug Kommunikationsmacht verschleiert, wurde inzwischen ergänzt durch das englische Wort „Framing“, das heißt: Rahmen, Einrahmen, Formen. „Framing“ ist geschmeidiger als „Sprachregelung“ und weniger verständlich - deshalb wurde es verbreitet. Es fällt aber auf, dass die „Haltungsmedien“ das Wort schnell wieder aus dem Verkehr gezogen haben, um unliebsame Diskussionen zu beenden. Das Wort Framing wird inzwischen wieder vermieden – nicht die Tat; denn es wird weiter „geframed“. Mächtige Kommunikatoren setzen Wort- und Deutungsrahmen, um Themen zu dominieren und Menschen auszugrenzen, die sich nicht in ihren Rahmen pressen lassen.
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Zum Gelingen Deutschlands nach 1945 trägt entscheidend bei, dass wir uns - nach Jahren des Sträubens - in den 1960er und folgenden Jahren des letzten Jahrhunderts als Deutsche dazu durchgerungen haben, uns mit den monströsen Dummheiten und Menschheitsverbrechen des Nationalsozialismus tiefgreifend auseinanderzusetzen. Was da geleistet wurde und wird, sind wirkungsvolle Kulturrevolutionen pro Humanum.
Dankbar dürfen wir daher folgenden Bericht entgegennehmen: „Bei der Gedenkstunde des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Bundestag bescheinigte der ehemalige israelische Botschafter in Berlin, Avi Primor, den Deutschen eine vorbildliche Rolle bei der Aufarbeitung ihrer eigenen Geschichte. Deutschland sei mit der Zeit in Sachen Erinnerung und Gewissensforschung weltweit ganz vorbildlich geworden, sagte der 79-Jährige. ‚Mit so einem Deutschland trauere ich gern zusammen.’ Primor verwies darauf, dass andere Staaten mit Denkmälern und Gedenkstätten an große Siege erinnerten und Helden würdigten, die dem Vaterland Ruhm gebracht hätten. Aber - fuhr der Diplomat mit Blick auf den Nationalsozialismus fort – ‚wo haben Sie jemals weltweit eine Nation gesehen, die Denkmäler baut, um sich an die eigene Schande, an das eigene Verbrechen zu erinnern?’ Das hätten bis heute nur die Deutschen getan. Primor war von 1993 bis 1999 Botschafter Israels in Deutschland.“ (Deutsche Welle, November 2014)








