
Hans-Peter Schwöbel, Walter Krämer und Winfried Wolf (Aufbruch2016, Schwetzingen)
Laudatio auf den Immanuel Kant-Preisträger 2026
Prof. Dr. Walter Krämer
Hans-Peter Schwöbel
„Abbitte. Gemunkel. iTüpfelchen. Allenthalben. Anmut. Namentlich. Umhin. Tautropfen. Lauschig. Feinsinnig. Stegreif. Dereinst. Nachhall. Gemach. Behaglich. Bedacht. Fürsprache. Anheimelnd. Kleinod. Indessen. Hingabe. Unstet. Glückskind. Einander. Umgarnen. Huschen. Nachsicht. Kuschelig. Anschmiegsam. Geraum. Schlummer. Nebst. Nachgerade. Zuvörderst. Bezirzen. Behende. Waldeinsamkeit. Obhut. Feilbieten. Nesteln. Gefilde. Geborgenheit. Wehmut. Anrührend. Fügung. Erwägen. Innewerden.“
Was haben diese Wörter gemeinsam? Sie sind schön. Sie sind poetisch. Sie sind selten. Sie sind deutsch. Und sie lassen sich nur schwer in andere Sprache übersetzen.
Sie bilden einen kleinen Auszug aus dem Lexikon der schönen Wörter, das unser diesjähriger Träger des Immanuel Kant-Preises, Prof. Dr. Walter Krämer, 2020 zusammen mit Roland Kaehlbrandt veröffentlicht hat. Wer solche wunderbaren deutschen Wörter sammelt und unter die Leute bringt, ist beides, Aufklärer und Poet. Poesie und Aufklärung, also Erleuchtung, erfüllen sich ineinander und in der Person Walter Krämer.
Ob in der Familie, im Kindergarten,* der Grundschule, ob in fortführender Bildung, Volkshochschulen, Hochschulen und Universitäten oder Deutsch für Ausländer: Sprecherziehung, bei der die schönen Wörter unserer schönen Sprache keine Rolle spielen, verfehlen ihren Auftrag. Ohne die Dimension Schönheit können wir weder unsere Sprache noch den Geist lieben lernen, der sie trägt.
(*Ursprünglich stand hier das Wort Kita. Während meines Vortrags empfand ich dieses kalte, unerotische Wort, mit dem man Holz spalten kann, als ganz unangemessen, und habe stattdessen das alte und wunderschöne Wort Kindergarten ausgesprochen: Ein Garten, in dem Kinder sprießen, knospen, blühen, gedeihen und Früchte entwickeln.)
Seit 50 Jahren stehe ich mit Liebeserklärungen an unseren Dialekt, unsara Muddaschbrooch, aber auch mit meinen hochdeutschen Texten auf der Bühne, um Menschen dafür zu begeistern, ihre Sprache nicht nur funktional zu nutzen, sondern zu lieben, zu schmecken, zu zelebrieren und zu umarmen.
In einer Szene empfehle ich Schwangeren, sich jeden Tag 10 Minuten hinzusetzen oder hinzulegen, und zu ihrem Bauch schöne Wörter zu sagen: Du bisch moi Härzkärsch, Du bisch moi goldischi Krott, Huddl un Nuddl, Worscht un Dorscht, Bruscht un Luscht. Isch mag Disch so, un isch bin Da guud, moi liewi Karamelleschnuud … Dies wäre eine köstliche Meditation für Mutter und Kind.
Wird fortgesetzt.
Der Schwöbel-BLOG am Samstag, 31.10.2026








