18 Jun

„Offen an den Schwächen feilen“

Geschrieben von Prof. Dr. Hans-Peter Schwöbel

 

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Offene Hand
Foto: Hans-Peter Schwöbel

Mannheims populistischer Provinz-, äh, Regionalzeitung MANNHEIMER - JETZT WIRD’S TAG kommt Systemrelevanz zu, wenn es um die Produktion von Stil-Blüten geht. So schenkte sie uns am Mittwoch, 15. Juni 2022 diese unschlagbare Schlagzeile: Offen an den Schwächen feilen. Dieser schlanke Satz wird der Kulturministerin von Rheinland-Pfalz, Katharina Binz (Grüne), zugeschrieben. Da ich meine Provinzzeitung kenne, kann ich nicht sicher sein, ob Frau Binz das wirklich gesagt hat. Da sie eine Grüne ist, kann ich es aber auch nicht ganz ausschließen.

 

Die Grünen sind die Zeitgeist-Partei par excellence, die über jeder Schwäche glücklich gluckst. Viel in diesem unserem Lande ist schon schwach genug. An der einen oder anderen Schwäche müssen wir aber noch feilen im Kampf um die Alpha-Position in der Ruhmeshalle (Hall of Fame) der Opfer.

Wer etwas kann, auch noch in den so unzeitgemäßen MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) oder gar ein tüchtiger Handwerker ist, löst in diesem Milieu den Verdacht aus, im Dienste des bösen Patriarchats und des bösen Kapitalismus zu stehen. Bäh! Da waschen wir unsere Hände doch lieber in praktischer Inkompetenz und verbaler Inkontinenz.

Von Günstler*innen und KreaTiefen

„Offen an den Schwächen feilen...“ Der Satz soll bei einer Rede vor 300 „Kulturschaffenden und Künstlern“ gefallen sein. „Es gehe darum, mit den im Kulturbereich arbeitenden und an der Kultur interessierten Menschen ...eine strategische Ausrichtung für die Kulturpolitik der nächsten Jahre zu erarbeiten“.

Die Ministerin und die Kulturschlaffenden und Günstler*innen könnten sich unendlich Zeit sowie analoge und digitale Konferenzen sparen. Und Tonnen CO2-Ausstoß. Haben die meisten dieser "freien" KreaTiefen ihre strategische Ausrichtung doch längst entwickelt und in ein eindrucksvolles Logo gegossen: eine zur Schale geformte, nach oben offene Hand.


Und sonst?

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Der bedeutende Filmemacher Imad Karim hat nach dem großen Erfolg von Polens deutsche Migrationskrise, den ich immer wieder empfehlen kann, einen neuen Film vorgelegt: Wer wird Moslemionär? Satire, Sarkasmus und Sachlichkeit, Ironie, Analyse und Information finden sich und erfüllen einander. Imad Karim und David Berger in:

https://youtu.be/JPW0_73CLIw

Sehr zu empfehlen!


Der Schwöbel-BLOG am Samstag, 18. Juni 2022