“God, save our army, God, save my Ukraine!”

 

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Schwache Kulturen reagieren ebenso wie schwache Persönlichkeiten sehr empfindlich, wenn sie Geringschätzung spüren. Der Schmerz geht umso tiefer, je berechtigter diese Wahrnehmung ist. Hitlers Größenwahn war unmittelbarer Ausfluss seiner begründeten Minderwertigkeitskomplexe.

Russland ist ein an Ressourcen reiches und gleichzeitig sehr schwaches Land, dem nichts Schlimmeres passieren kann, als dass seine Schwäche offenbar werde.

Deshalb erschien mir die Äußerung des vielgelobten Barack Obama im März 2014, Russland sei bloß eine Regionalmacht, zwar wahr, aber von einem amerikanischen Präsidenten im Amt in die Welt posaunt, als dumm. Wir werden wohl nie erfahren, wieviel Elend dieser Satz verursacht.

Ich habe schon vor 40 Jahren über die legendäre Geheimnistuerei der Sowjets festgestellt, sie habe vor allem zum Ziel, vor der Welt zu verbergen, was die Sowjet-Union alles nicht hat und nicht ist. Der Eiserne Vorhang war eine Spanische Wand, die die schorfige Blöße der kommunistischen Gesellschaften bedecken sollte und soll. Als Soziologe darf und muss ich dies aussprechen, als amerikanischer Präsident hätte ich in der Öffentlichkeit dazu geschwiegen.

Meine klaren Statements gebe ich übrigens auf eigene Rechnung ab. Linke in Mannheim und der Kurpfalz überziehen mich wegen meiner Kritik an UdSSR, DDR und anderen „Volksdemokratien“, aber auch stalinoiden Zuständen im Westen (z.B. "ANTIFA"), schon seit den 70er und 80er Jahren mit hasserfüllten Rufmordkampagnen - bis heute.

Entwicklungsdefizite

Der tiefste Grund für die russischen Aggressionen sind die umfassenden Entwicklungs- und Emanzipationsdefizite, die sich in diesem Lande seit Jahrzehnten stauen. Lenin sagte, wohlwissend, dass er damit Napoleon zitiert: „Wir werden die Macht ergreifen, dann werden wir weitersehen!“ Leninistisch-stalinistische Machthaber und ihre zahlreichen Mitläufer glauben bis zum heutigen Tag nicht an die Entfaltung gesellschaftlicher Potentiale durch Kritik, Aufklärung, Stärkung der Menschenrechte und emanzipatorisches Lernen, sondern durch rücksichtslosen Einsatz von Macht, Gewalt und Geheimdienst. Bevormundung, nicht aufrechter Gang, ist ihr Ideal.

Seit der Aufklärung sind die wichtigsten Entwicklungsressourcen das freie Wort und die offene Kritik. Davor haben unsichere Menschen und mehr noch unsichere Machthaber panische Ängste. Putin steht auch darin persönlich und politisch in der Nachfolge Stalins.

Schändliche Selbstverachtung

Westliche Staaten und Bündnisse haben viele Fehler und Dummheiten gegenüber Russland begangen und viel Fürsorge für die Ukraine versäumt. Wiedergutmachung müsste darin bestehen, diese Fehler und Mängel zu erkennen und zu überwinden.

Eine der Dummheiten der deutschen Politik besteht darin, unsere eigene Armee, die Bundeswehr, seit Jahrzehnten regelrecht auszuhungern. Die Frage, ob wir der Ukraine, den baltischen Staaten oder Polen militärisch beistehen sollen, stellt sich nicht. Wir können es gar nicht. Wie ein trotziges Kind beharren wir auf unserer Wehrlosigkeit, die vor allem Verantwortungslosigkeit ist.

Von unserer eitel zur Schau gestellten Weigerung, uns selbst und Andere selbstbewusst zu verteidigen, geht weder für die Paten des Islamismus in Ankara und Teheran, noch für den kapitalistischen Spätstalinisten Putin, Abschreckung aus. Abschrecken wollen wir auf keinen Fall. Lieber willkommen heißen. Wir sind nämlich die Guten... Auch so zeigt sich die Infantilgesellschaft.

Als ich 1980 meine Professur an der Hochschule des Bundes, Fachbereich Bundeswehr-Verwaltung in Mannheim-Neuostheim antrat, spie mir mehr als ein linker Hohlkopf ins Gesicht, ich hätte mich damit in den Dienst einer „faschistischen Armee“ gestellt.

Die stalinoid geführte „Nie-wieder-Deutschland-Fraktion!“ hat ganze Arbeit geleistet. Einige ihrer Protagonisten sitzen inzwischen in hohen Ämtern in einem Land, das sie verachten und am liebsten abschaffen würden.

Sein Land lieben

Unsere liebe Freundin, die junge Wissenschaftlerin Olha Dunayevska, hat uns heute eine bedrückende Mail aus Kiew geschickt und ihre Empfindungen geschildert. Ihr Schreiben endet mit der Anrufung:

„God, save our army, God, save my Ukraine!“

So sei es! Mögen wir Deutschen so viel wie möglich dazu beitragen, dass dieses Gebet erhört wird. Und mögen wir klug genug sein, das Menetekel, das uns Putin an die Wand schreibt, zu lesen: was mit Kulturen geschieht, die das freie Wort unter Verdacht stellen, und Liebe zu Heimat und Nation dämonisieren. Sie werden zu einem Unglück für sich und Andere.

Der Schwöbel-BLOG am Samstag, 26. Februar 2022

 

Buchvorstellung

Buchvorstellung

Fluchtkulturen
Essays und Plädoyers 2
Auflage. Borgentreich 2021. 160 Seiten,
gebunden, Fotos, Lesebändchen. 25,00 €

 

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