06 Nov

Mir junge Alde

Geschrieben von Prof. Dr. Hans-Peter Schwöbel

 

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Susanna und Hans-Peter Schwöbel
Foto: Adax Dörsam, Juli 2021.

Am Dienstag, 02. November, war ich sicher schon 10 Minuten wach, als mir einfiel, dass ich Geburtstag habe - obwohl mich Susanna noch am Abend zuvor daran erinnert hatte. Unzählige Male habe ich an meinen Geburtstagen, aber auch denen meiner Frau und an unseren Hochzeitstagen, Vorträge und Auftritte verabredet, weil ich vergessen hatte, dass der Termin eigentlich zu sperren wäre.

Sedimente meiner pietistisch-terroristischen Kindheit: Fromm, suizidal, gewalttätig, alkoholisch. Einen Willen haben wollen darf ein Kind nicht. Nur sich nicht wichtig nehmen. Nur nichts wollen. Und das waren noch die guten Jahre, bevor Vater (Babba) vollends ins Brüllende und Prügelnde und Mutter (Muddie) in den Suff triftete. Das passt in keinen Kopf. Das passt in kein Leben.

Ich habe Geburtstag? Nicht wichtig...

Und dennoch, und gerade deshalb habe ich mich über die vielen Anrufe, Mails und Post zu meinem 76. Geburtstag sehr gefreut. Auch auf diesem Wege möchte ich mich bei allen herzlich bedanken, die an mich gedacht haben, an mich denken. Zuwendung und Zuneigung sind vielleicht die wichtigsten Zeichen eines gelungenen Lebens. Danke!

Mit 76 geht es mir viel besser als mit 16. Susanna und ich haben uns in diesem Alter ohne jede familiäre und kaum staatliche Hilfe durchgeschlagen – ohne je einen Opferstatus zu reklamieren. Das könnte ich jungen Leuten heute empfehlen. Unsere Revolte gegen unsere miserablen Startbedingungen bestand und besteht darin, unser Leben selbst in die Hand zu nehmen und vor allem unseren selbstgestellten Bildungs- und Entwicklungsauftrag zu erfüllen - jeden Tag: Versuchen, die Welt zu verstehen und aufrecht zu gehen. Einer trage des Anderen Last. Danke, Susanna!

Herzliche Grüße,

Hans-Peter und Susanna

 

Der Schwöbel-BLOG am Samstag, 06. November 2021