27 Mär

Leviathan

Geschrieben von Prof. Dr. Hans-Peter Schwöbel

 

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Foto: Hans-Peter Schwöbel

Nicht dass das Wort Sonnenkönigin spontan in mir aufleuchten würde, wenn ich der Bundeskanzlerin ansichtig werde oder ihrer gedenke.



Dennoch: Wenige Mächtige fallen mir ein, die dem Anspruch L’état c’est Moi – Der Staat bin ich – Gestalt verleihen könnten wie Frau Merkel. Sie ist erhaben genug, sich sogar für einen Fehler zu entschuldigen. Da sie dies noch nie getan hat, tritt die kalkulierte Wirkung sofort ein: ihre Verehrer, diese Guten, und die Folgsamen Medien (FM), allen voran die Öffentlich-Rechtlichen (ÖR), verehren sie jetzt mehr denn je. Die „mächtigste Frau der Erde“ entschuldigt sich bei Menschen wie Du und ich. Nicht zu fassen! Dabei entgeht den Braven: Die Kanzlerin hat sich für eine Lappalie entschuldigt - verglichen mit ihren gewaltigen Fehlentscheidungen, die Deutschland und Europa seit vielen Jahren spalten. Kein Brexit ohne die Animation illegaler Masseneinwanderung durch Merkel und den deutschen Main-Stream. Um nur ein Beispiel zu erwähnen.

Übrigens: die Kanzlerin bittet nicht um Entschuldigung, sondern wörtlich um Verzeihung. Dies Wort geht tiefer und wohnt näher am religiösen Konzept Vergebung als an der profanen Entschuldigung. Die Kanzlerin sei zu Pathos nicht fähig? Wer so denkt, kennt die Ressourcen an demütigem Hochmut, an hochmütiger Demut im Protestantismus nicht.

Die FM nehmen die Kanzlerin (scheinbar) vor sich selbst in Schutz und berichten durchweg, sie habe um Entschuldigung gebeten.

Ein feiner Nebeneffekt Merkel‘scher Demut: sie erklärt sich selbst für alleinverantwortlich. Von Amts wegen. L’état c’est Moi. Und lässt die Leute an ihrer Seite weiter schrumpfen – all jene, die den Leviathan lieben. Klirrend die Pseudo-Kritik der Grünen, die sie in voraus(k)eilendem Gehorsam am „Fehler“ ihrer Meisterin üben. Doch: Nicht mehr Freiheit fordern sie, sondern mehr Leviathan. Sie trachten, uns noch mehr zu verstaatlichen, als Merkel es je gelungen ist. Wer Ohren hat zu hören, der höre.

Der politisch-medial-religiöse Main-Stream fließt in so festem Bette, dass wir es wohl so schnell nicht spüren werden, wenn die Bundeskanzlerin im Herbst „ihr“ Amt abgibt. Merkelismus ohne Merkel heißt die Dystopie. Umso wichtiger ist, dass all jene, denen die Verfassung Deutschlands (im doppelten Wortsinne), Rechtsstaat, Demokratie, Nation und Aufklärung wichtig sind, Kraft, Geist, Mut und Willen aufbieten, um den selbsternannten „Guten“ entgegenzutreten. Einfach stoppen können wir sie genauso wenig wie den Klimawandel und den Anstieg des Meerespiegels. Wie der polnische Lyriker und Aphoristiker, Stanisław Jerzy Lec, es weiland so trefflich formulierte: Wir müssen kluge Gedanken so vermehren, dass die Zahl der Denk- und Wort-Wächter nicht ausreicht, sie in Schach zu halten.

Der Schwöbel-BLOG am Samstag, 27. März 2021