07 Nov

„Meister der kritischen Worte"

Geschrieben von Prof. Dr. Hans-Peter Schwöbel

 

Jetzt als Podcast anhören:

Am zweiten Tag des Wonnemonats November durfte ich heuer wohlbehalten meinen 75. Geburtstag feiern. Mein Dank gilt allen, die mich auf dieser langen Reise begleitet haben, besonders meiner Susanna. Als wir uns begegneten, waren wir 17 Jahr alt und haben uneingeschränkt Verantwortung füreinander übernommen und uns durch dieses Leben getragen.

Chefreporter Peter W. Ragge hat mir zum 75. im Mannheimer Morgen ein Portrait gewidmet.

Einen so schönen Text möchte ich auch über meinen BLOG verbreiten. Im nächsten Der Schwöbel-BLOG am Samstag geht es dann wieder um die Welt. Und wie ich sie sehe und verstehe.

„Meister der kritischen Worte
02. November 2020 Autor: Peter W. Ragge (pwr)

Er ist so herrlich-herausfordernd deutlich, wunderbar kritisch, weltgewandt und zugleich heimatverbunden, bietet scharfsinnige Analysen auf hohem Niveau, feinsinnige Ironie und manchmal auch einfach nur Spaß: Hans-Peter Schwöbel. Am Montag wird der mit dem Bloomaulorden geehrte Künstler und Kabarettist, Sozialwissenschaftler und Schriftsteller 75 Jahre alt.

„Ich hätte mir als junger Kerl nie vorstellen können, dass es mir mit 75 so gut geht“, sagt er zufrieden. In Buchen im tiefen Odenwald in einem strengen Pietismus sowie schwierigen familiären Verhältnissen aufgewachsen, habe er „das familiäre Elend nicht als Alibi genutzt, um uns hängen und gehen zu lassen“, wie er mal über sich und seine Geschwister sagte. Im Gegenteil: Schwöbel hat hart gearbeitet, schon als Kind im Haushalt, dann nach der Lehre als Kraftfahrzeugmechaniker.

Erfahrungen in Entwicklungshilfe

1952 kommt er mit den Eltern nach Mannheim, erschließt sich selbst Mittlere Reife und Abitur auf dem zweiten Bildungsweg – als Bauschlosser, Bierfahrer, Lagerarbeiter, Statist am Nationaltheater, Nachhilfelehrer. Eine wichtige Stütze ist ihm Susanna Martinez, die er 1967 heiratet. Sie ermuntert ihn, unterstützt ihn, so dass er ab 1967 Soziologie und Pädagogik studiert.

1980 wird der einstige Bauernbub zum Professor für Soziologie an der Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung, Fachbereich Bundeswehrverwaltung, in Neuostheim berufen. Hier lehrt er bis zum Ruhestand 2010. Davor aber erlebt er spannende, prägende Jahre in der Jugend- und Erwachsenenbildung sowie der Entwicklungshilfe.

Alphabetisierung, Weiterbildung von Bauern, Beratung der Regierungen – mehrere Jahre lebt und arbeitet Schwöbel in Gambia und Somalia. Einst den Linken zugerechnet, eckt Schwöbel heute bei ihnen an, ja er geht mit manchen Dingen heftig ins Gericht. Denn als jemand, der sich aus einfachen Verhältnissen hochgearbeitet hat, der wirklich Arbeiter an der Basis war und der versucht hat, den Menschen in Afrika vor Ort zu helfen, entlarvt er eben leninistisch-stalinistische Gesellschaftsmodelle ebenso als unrealistisch wie viel zu gutgläubige Einschätzungen in der Flüchtlingskrise.

Emanzipation, auch von modernem Mainstream-Denken, und leidenschaftliche Aufklärung – davon sind sein wöchentlicher Newsletter und sein Podcast geprägt. Immer mehr ist Schwöbel in den vergangenen Jahren auch als Essayist, mit wissenschaftlichen Vorträgen und Predigten hervorgetreten. Dabei wurde er zunächst bekannt, ja populär als Kabarettist, beginnend mit ersten Auftritten zu Beginn der 1980er Jahre im Forum der Jugend.

Man muss bei ihm nachdenken, ehe man lacht – aber das ist seine Stärke. Intelligente, scharfe Satire verbindet er mit liebevoll-zärtlichen poetischen Sätzen, mit leiser, feinsinniger Lyrik. Doch immer versteht sich Schwöbel als Weltbürger und als Regionalist gleichermaßen, weshalb er kraftvoll für Respekt vor dem Dialekt plädiert. Schade nur, dass diese Auftritte wegen der Corona-Pandemie gerade so selten sind.“

© Mannheimer Morgen, Montag, 02.11.2020

Der Schwöbel-BLOG am Samstag, 07. November 2020