17 Okt

Hass und Verachtung aus unbewältigter Enttäuschung I

Geschrieben von Prof. Dr. Hans-Peter Schwöbel

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Am 20. September 1990 stimmten die freigewählte ostdeutsche Volkskammer und der Deutsche Bundestag getrennt, aber fast zeitgleich, über den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik ab. Hubertus Knabe schreibt in DIE WELT vom 30.09.2020, S. 2: Nach 45 Jahren Teilung beschloss eine überwältigende Mehrheit der Abgeordneten die Vereinigung der beiden deutschen Staaten. Nur die Fraktion der Grünen – neben einer Handvoll Unionsabgeordneter – stimmte fast geschlossen gegen den Einigungsvertrag.



Weiter führt Hubertus Knabe aus: „Nur selten trugen bundesdeutsche Politiker so viel Verantwortung für das Schicksal ihres Landes wie in diesen Tagen. Schaut man sich das Handeln der damals agierenden Parteien an, wurde keine dieser Verantwortung so wenig gerecht wie die Grünen. Wenn man heute in den deutschlandpolitischen Reden, Erklärungen und Aufrufen der Ökopartei liest, fallen nicht nur ihre fundamentalen Fehleinschätzungen ins Auge. Noch irritierender ist, mit welcher Selbstgewissheit diese vorgetragen wurden.“

Kostproben Grüner Kommentare in jenen Tagen. Antje Vollmer spricht von „nationalstaatlichen Omnipotenzphantasien“ und erklärt am 08. November 1989 im Bundestag, dass die Reformbewegung in der DDR jetzt ihren eigenen Raum brauche, weshalb die Rede von der Wiedervereinigung „überholter denn je“ sei. Joschka Fischer warnt vor „Fieberschauern eines gewalttätigen deutschen Nationalismus“ und setzt sich noch 1989 dafür ein, das Wiedervereinigungsgebot aus dem Grundgesetz zu streichen. Im Oktober 89 fordert er: „Vergessen wir die Wiedervereinigung! Warum halten wir nicht für die nächsten 20 Jahre die Schnauze darüber?“ Eine Woche nach dem Mauerfall erklärt er auf einem Kongress der Grünen es „für eine überlebensnotwendige Demokratenpflicht, für mindestens weitere 45 Jahre auf alles Nationale „panisch zu reagieren“. Jutta Ditfurth fordert: „Nie wieder Deutschland – keine Wiedervereinigung.“

Mehr noch als die hassgetragenen, menschenfeindlichen Fehleinschätzungen, Vorurteile und Verleumdungen, stößt mich die Selbstgewissheit ab, mit der die Statements in die Welt gerammt werden. Robert Habeck: „Patriotismus, Vaterlandsliebe also, fand ich stets zum Kotzen. Ich wusste mit Deutschland noch nie etwas anzufangen und weiß es bis heute nicht.“ (R. Habeck: Patriotismus. Ein linkes Plädoyer. Gütersloh 2010.) Offenkundig haben viele Grüne und andere Linke ihre Enttäuschung über den Zusammenbruch des real exerzierenden (HPS) Sozialismus nicht verwunden. Und dieser Frust wird getoppt durch die Vereinigung des deutschen Volkes, dem ihre Verachtung gilt.

Penetrante Selbstgewissheit ist eine Psycho- und Soziopathie vieler links-grüner Milieus. Ihnen fehlt Selbstkritik und die Vorstellung, dass andere auch recht haben könnten. Diese Persönlichkeits- und Beziehungsstörungen verhindern Lernen und machen extrem intolerant. Als „Haltung“ werden diese Störungen nun an die selbst schon vor Selbstgewissheit strotzenden Klima- und Pro-Migrations-Aktivisten weitergegeben. Köcheln von Panik wird zu einer veritablen (nachhaltigen!) machtpolitischen Ressource dieser Milieus. Grundmuster: „How dare you!... We will not let you get away with this!“

Fortsetzung folgt.

Der Schwöbel-BLOG am Samstag, 17. Oktober 2020