27 Jun

Wenn die Lage eskaliert

Geschrieben von Prof. Dr. Hans-Peter Schwöbel

Als Analytiker politisch-medialer Prozesse interessiert mich nach den gewalttätigen Angriffen Hunderter junger Männer auf die Polizei und den Frieden der Stadt Stuttgart besonders, welche Verrenkungen die politisch-medialen Eliten in Kooperation mit „Qualitätsmedien“ diesmal machen würden, um die wahren Täter zu verschleiern.

 

Im Radio hörte ich, dass sich die „Auseinandersetzungen“ an einer Drogenkontrolle „entzündet“ hätten. Nicht aggressive Gewalttäter gingen also auf die Polizei los. Nein, da hat sich etwas entzündet. Gerne melden „Qualitätsmedien“ in solchen Fällen auch, die Lage sei „eskaliert“... Aha: die Lage.

Stuttgart reiht sich ein in Dutzende von Gewaltorgien, wie sie in der Silvesternacht 2015/2016 in Köln und anderen Städten „gefeiert“ wurden. Auch jene Nacht war nicht der Auftakt, sondern bereits Fortsetzung. Aber die konzertierte Verschleierung der sexualisierten Macht- und Gewalt-Exzesse zugewanderter Männer wollte nicht mehr perfekt gelingen.

In Köln und vielen anderen deutschen Städten konnte die Polizei damals den Täterkreis mit nordafrikanische Intensivtäter (Nafri) korrekt einordnen. Um diese Zuschreibung wirkungslos zu machen, veranstalteten „Qualitätsmedien“ wochenlanges Getöse, mit dem Ziel, die offenkundig richtige Bestimmung mit dem Rassismusvorwurf zu beschämen und so zu unterdrücken. Schuld an den Vorgängen hatten schließlich nicht bestimmte Gruppen, sondern eine umfassend toxische Männlichkeit: Deutsche Männer würden es genauso machen. Dass sie es nicht getan hatten, aber getan haben könnten, macht sie umso verdächtiger. Die tun nämlich nur so unschuldig...

Gut erkennbare Tätergruppen werden geschützt, indem der Verdacht raunend ins Uferlose wabert. So auch in Stuttgart: „Partyszene“ heißt eines der Nebelwörter. Ach, alles wäre so einfach, wären die Täter helle Männer aus Dunkeldeutschland. Stattdessen sind es dunkle Männer von Irgendwo im Bündnis mit linksextremistischen Hasstätern. Geradezu putzig Stuttgarts Oberbürgermeister Kuhns Versuch, seine eigenen Erkenntnisse zu verdrängen, wenn er sagt: „Ich bin schockiert, dass so etwas in einer liberalen Stadt wie Stuttgart passieren konnte.“ Als ob Hunderte ansonsten liberaler Bürger über Nacht den Verstand verloren hätten, um auf Polizei, Autos und Läden loszugehen. Nein, es handelt sich auch in Stuttgart für jeden gut erkennbar um Hassverbrechen anti-liberaler, anti-demokratischer, gut organisierter Verächter von Rechtsstaat und zivilisierter Urbanität. Hier gehen Leute auf die deutsche Gesellschaft los, die nicht zu ihr gehören – weil sie nicht zu ihr gehören wollen! Welchen Pass (welche Pässe) sie tragen, spielt dabei keine Rolle. Gut vernehmbar waren zahlreiche Rufe zu hören: „Fuck the police!“ „Fuck the system!“ und „Allahu akbar!“

Den geschmähten Polizistinnen und Polizisten wird ein weiterer Tort angetan, indem offiziell bestätigt wird, dass die Ausschreitungen gegen sie keine politischen waren. Kann man seinen Sicherheitskräften unverblümter sagen, dass ein Angriff auf sie kein Politikum ist?

Kann gut sein, dass die Partygänger nach der Stuttgarter „Party“ sich innere Verletzungen zugezogen haben, weil sie sich vor Lachen das Zwerchfell brachen, als ihnen die Drohung zu Ohren kam, man werde sie mit der ganzen Härte des Rechtsstaats verfolgen.

Der Schwöbel-BLOG am Samstag, 27. Juni 2020