14 Mär

Woher nehmen und nicht stehlen?

Geschrieben von Prof. Dr. Hans-Peter Schwöbel

Wer angesichts einer Viren-Pandemie versucht, den Helden / die Heldin zu spielen, macht sich lächerlich. Im Fall der Fälle ginge dem Virus dies „Heldentum“ am Allerwertesten vorbei – so er denn einen hätte. Er würde einfach zuschlagen.

Das Ansteckungsrisiko zu mindern, schulde ich nicht nur mir selbst, sondern mehr noch denen, mit denen ich zu tun habe. Mut zeigt, wer Konventionen unterbricht und Erwartungen enttäuscht, bevor ihm das von einer übergroßen Autorität befohlen wird. Gerade in unsicheren Zeiten gilt Kant: „Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen.“



Ich sage: Habe Mut, Dich Deines eigenen Mutes zu bedienen. Fürchte Dich nicht vor jenen, die Dir Ängstlichkeit, gar Feigheit nachsagen könnten. Anders ausgedrückt: habe den Mut, als feige zu erscheinen. Die zur Schau gestellte Sorglosigkeit jener „Helden“ hält solange, bis ihnen das „Um-Gottes-Willen“-Ereignis unter die eigene Haut fährt. Erst ab hier zeigen sich Mut und Tapferkeit, die diese Namen verdienen.

Ihren Verstand schalten Politiker und Veranstalter ab, die das Verbot von Veranstaltungen mit über 1000 Besuchern umgehen, in dem sie „nur“ 999 Karten verkaufen. Dahinter steckt die psychische Reife eines kleinen Kindes, das die Hände vor die Augen hält, um damit die Welt zum Verschwinden zu bringen. Oder jenes Schelms, der kraftvoll mit dem Hammer ausholt, um den Nagel zu treffen, seinen eigenen Daumennagel nämlich, und sich darüber freut, wie sehr er die anderen gefoppt hat.

Aller Orten werden jetzt „klare Ansagen“ gefordert. Selbst jene süddeutsche Zeitung, die sich seit Jahren nicht genug hervortun kann, Grenzen für obsolet und den Nationalstaat für böse zu halten, titelt plötzlich: „Jetzt ist ein starker Staat gefragt.“ Aha! Welcher starke Staat? Der Welt-Staat – die UN? Der Europa-Staat - die EU? Die Weltgemeinschaft unabhängiger Kommunen...?

Gell, jetzt müssen auch Sie lachen.

Ganz offenkundig ist der National-Staat gemeint. Nur: Woher nehmen und nicht stehlen – hätte meine Oma gefragt. Woher nehmen, wenn man den National-Staat über Jahre dämonisiert und längst abgeschafft hat zugunsten einer grenzenlosen Weltgesellschaft?

Es wäre ein Beitrag zur Versöhnung in diesem Lande, wenn die Verächter der Nation sich dazu herablassen könnten, sich bei jenen zu entschuldigen, die Fragen kollektiven, demokratischen Steuerungsvermögens sehr viel realistischer einschätzen als sie selbst - und dafür als rechtspopulistisch und Schlimmeres verteufelt werden. Ich bin gerne bereit, solche Entschuldigungen entgegenzunehmen und weiterzuleiten.

Der Schwöbel-BLOG am Samstag, 14. März 2020