29 Feb

Die reine Leere als Tsunami

Geschrieben von Prof. Dr. Hans-Peter Schwöbel

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Kann die reine Leere als Tsunami über die Menschen kommen? Wer den schreienden "Ober-Messdiener am Hohen Dom zu Mainz", Andreas Schmitt, bei "Mainz bleibt Mainz" gehört und gesehen hat, dazu die Ovationen der Meenzer Schickeria, weiß: es ist möglich. Wieder einmal beschämt der Mensch die Physik, befreit den Tsunami von allen stofflichen Gebundenheiten und lässt ihn als reine geistige Leere durch‘s Universum toben.

 
Ein feister Hals auf feistem Hintern leert seinen Kropf und flutet den Saal mit allem, was er in sich hat: mit nichts als Leere. Ob in die Hirne des Schreiers und seiner servilen Zuschauer eines Tages einmal so viel Anstand und Verstand einzieht, dass sie sich für diese obszöne Szene schämen? Wenig wahrscheinlich. Mainz bleibt Mainz.

Die "politische" Fasnacht am Rhein als kritisches Projekt der Zivilgesellschaft ist Illusion. Besonders die Mainzer Fasnacht war immer schon eine pseudo-kritische, schlecht maskierte Ergebenheitsadresse an die Mächtigen - Paternalismus pur. Heute gilt das mehr denn je. Wenn Liebedienerei und laute Leisetreterei der öffentlich-rechtlichen und anderer Leid-Medien in Deutschland noch zu toppen sind, dann durch diese Fasnacht. Politische Kritik? Lachämool! Diese wahren Populisten hassen und hetzen, was das Zeug hält.

Schon vor Jahrzehnten habe ich Populismus so beschrieben: „Wir werden euch führen, wohin ihr uns wollt!“ – sagen die Mächtigen. Sagen die Ohnmächtigen. Eng umschlungen. Agitator und Agitierte verschmelzen zur Einheit in der reinen Leere.

Das Kunststück des "Ober-Messdieners am Hohen Dom zu Mainz" - wie all der anderen politisch-medialen Leer-Meister - besteht darin, mit der wilden Geste von Rebellen hineinzukriechen, wo’s warm rauskommt. Ihre Leer-Linge folgen ihnen ergeben.

Ergriffen von ihrer eigenen Güte, stehen sie auf und zeigen "Haltung"...

Zum Lachen, wenn‘s nicht zum Schreien wäre.

Der Schwöbel-BLOG am Samstag 29.02.2020