08 Feb

Sierra Leone – zum Beispiel

Geschrieben von Prof. Dr. Hans-Peter Schwöbel

Sierra Leone (8 Mill. Einwohner, knapp 72 000 Km2 Fläche) liegt in Westafrika am Zentralatlantik, im Norden und Osten umfangen von Guinea, im Süden grenzend an Liberia.

Die Süddeutsche Zeitung berichtet am 04. Februar vom Urteil eines Gerichtes der Westafrikanischen Staatengemeinschaft Ecowas (Economic Community of West African States), das den Ausschluss schwangerer Schülerinnen vom regulären Unterricht in Sierra Leone als diskriminierend und damit für unzulässig erklärte. (Anna Reuß: „Sierra Leone - Hände weg. Das westafrikanische Land nimmt den Kampf gegen sexuelle Gewalt auf.“

 
Hintergrund: In Sierra Leone ist, wie in vielen afrikanischen Regionen, sexueller Missbrauch bis zur Vergewaltigung von Frauen und Mädchen - auch Kindern – weit verbreitet. Nach wie vor werden sowohl von politischen und religiösen Führern als auch großen Teilen der Bevölkerung, Mädchen und Frauen für entsprechende Vorkommnisse verantwortlich gemacht. Schwangere Mädchen und kindliche Mütter, werden aus den regulären Schulklassen entfernt, weil sie die anderen Schülerinnen und Schüler moralisch verderben könnten. Buben und Männer, die die Übergriffe gegen die Mädchen und Frauen begehen, bleiben in den Klassen und auch sonst weitgehend ungeschoren.

Der linkspopulistische Mainstream in Deutschland, geht mit diesen Vorgängen in Afrika und in arabischen Ländern heuchlerisch um. Offenkundig handelt es sich bei der weit verbreiteten, seit Jahrtausenden üblichen Genitalverstümmelung von Frauen und den sexuellen Übergriffen gegen Mädchen und Frauen in diesen Ländern um Probleme, für die man nicht die Europäer mit dem inflationären Vorwurf des Kolonialismus und Imperialismus an den Pranger stellen kann. Dennoch wird es versucht.

Zwiefacher Rassismus

Menschen und ganze Kulturen können sich langfristig nur auf Augenhöhe begegnen, wenn alle Beteiligten als voll verantwortungsfähig gelten. Europäische und amerikanische Linkspopulisten messen im Hinblick auf die Nord-Süd- und Süd-Nord-Beziehungen seit Jahrzehnten mit zweierlei Maß. Dem Norden, genauer gesagt dem Westen, wird alles angelastet: Klimakrise, Kriege und Gewalt im Süden, Fluchtgründe und vieles mehr. Viele hausgemachte Übel im Süden dagegen werden übersehen und beschwiegen. Dies ist paternalistisch und zwiefach rassistisch; alles was an selbst verursachten Deformationen „dem Süden“ nachgesehen wird, wird ebenso verallgemeinernd „dem Westen“ angelastet. Einzig die lieben, guten Schuldzuweiser selbst sind ohne Schuld und dadurch vorzüglich geeignet, den ersten Stein zu werfen. Daher auch der Name „Gutmensch“.

In der Süddeutschen Zeitung heißt es: „...Präsident Julius Maada Bio... geriet unter Druck, etwas gegen die grassierende sexuelle Gewalt zu tun. Er rief deshalb sogar den Notstand aus, und First Lady Fatima Bio brachte die Kampagne ‚Hände weg von unseren Mädchen‘ auf den Weg. Es müsse das Ziel sein, allen Mädchen Bildung zu ermöglichen. ‚Kein Kind verdient es, seine Chancen im Leben zu verlieren, weil ein Erwachsener oder ein Gleichaltriger, der es besser wissen sollte, ihm ein Kind beschert‘, sagte Präsident Bio nach dem Urteilsspruch. Auch Anwältin Mathani ist zuversichtlich: Die Entscheidung sei ein Sieg im Kampf um die Rechte von Mädchen und werde nicht nur für Westafrika, sondern für den ganzen Kontinent Folgen haben.“

Ihr Wort in Gottes Ohr.

Der Schwöbel-BLOG am Samstag 08. Februar 2020