28 Sep

An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen

Geschrieben von Prof. Dr. Hans-Peter Schwöbel

Vor wenigen Tagen kamen meine Frau und ich in Mannheim wieder einmal in den Genuss wunderbarer Feigen. Ein großer Baum, mitten in den Quadraten, bot für dieses Jahr die zweite köstliche Tracht. Ende September. Sonnen-Tracht im Klimawandel.

Dieser BLOG gilt einem Baum, der in besonderer und wohlschmeckender Weise die Bibel und das Heilige Land, mit unsrer schönen Heimat am Rhein verbindet. Neben der Palme, dem Weinstock, dem Ölbaum und dem Dornbusch gehört der Feigenbaum zu den besonders bedeutungsvollen Pflanzen der Bibel, die gerne zu tiefgründigen Gleichnissen herangezogen werden.


So finden wir beim Propheten Hosea diese poetische Liebeserklärung G'TTES an sein Volk Israel: „Wie man Trauben findet in der Wüste, so fand ich Israel; wie die erste Frucht am jungen Feigenbaum, so sah ich Eure Väter.“ (Hosea 9,10)

Kann man jemandem inniger sagen, wie wohltuend man die Begegnung mit ihm empfindet, und wie sehr man sich nach ihm sehnt? Trauben in der Wüste zu finden, gleicht einem Wunder, und bietet labende Erquickung. Die ersten Feigen sind besonders süß, saftig und aromatisch. Übrigens auch die letzten nach einem heißen Sommer können köstlich schmecken, als nehme der Baum noch mal all seine Kraft (oder seinen Geist?) zusammen, um das wunderbare Aroma seiner Frucht zu entfalten.

Im Buche Richter finden wir die Jotam-Fabel, in der die Bäume sich treffen, um einen König zu wählen. Sie tragen auch dem Feigenbaume die Macht an: „Da sagten die Bäume zum Feigenbaum: Komm, sei Du unser König! Der Feigenbaum sagte zu ihnen: Soll ich meine Süßigkeit aufgeben und meine guten Früchte und hingehen, um über den Bäumen zu schwanken?“ (Richter 9, 11)

Nachdem die Früchte tragenden Bäume es allesamt abgelehnt hatten, sich mit etwas so hässlichem wie Macht und Herrschaft zu beflecken, blieb schließlich nur der Dornstrauch als möglicher Herrscher der Bäume übrig. Und der würde herrschen mit seinen Mitteln und die Anderen unter eine rohe Herrschaft beugen. Dieses sollte allen, die sich als Ölbaum, Weinstock oder Feigenbaum sehen, zu denken geben.

Im Buch der Könige stehen Weinstock und Feigenbaum für eine Gesellschaft in Frieden und Sicherheit: „Juda und Israel lebten in Sicherheit von Dan bis Beer Scheeba; ein jeder saß unter seinem Weinstock und seinem Feigenbaum, solange Salomo lebte.“ (Könige 5, 5)

Im Matthäus-Evangelium leuchtet uns eine Weisheit entgegen, die im Deutschen zu einem geflügelten Wort wurde: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Erntet man etwa von Dornen Trauben oder von Disteln Feigen?“ (Matthäus 7, 16)

Die Früchte also sind es, nicht die Worte oder hehren Absichten, die uns erkennen lassen, wen und was wir vor uns haben. Und natürlich wird man auch uns an dem erkennen, was unsere Taten und Worte bewirken – an unseren Früchten.

Bei Ausgrabungen wurden Reste von Feigen aus der Zeit 5000 vor Christus gefunden. Auch am Rhein kommt die Feige bereits seit vielen Jahrhunderten vor. Während in der kleinasiatischen Heimat der Feige die Bestäubung durch ein besonderes Insekt erfolgt, bedarf die Pfälzer Fruchtfeige der Bestäubung nicht. Sie ist jungfernfrüchtig, wie der Gärtner sagt.

Damit dürfte eine alte Streitfrage geklärt sein. Was bei der Pfälzer Fruchtfeige ein alltägliches Wunder ist, sollte beim Menschen, bzw. der Menschin einmal in der Menschheitsgeschichte auch möglich gewesen sein. Im Streit zwischen Heilskundigen (Theologen) und Heilkundigen (Medizinern) gibt der Pflanzenkundige (Gärtner) die Antwort.

Die Pfälzer Fruchtfeige ist kein Ziergewächs, an ihr wachsen und schwellen Früchte, die köstlich munden. In meinem Herzen steht dieser biblische, mythische Baum auch für das Judentum am Rhein. Möge der Feigenbaum im Lande nicht nur der Buchen und der Eichen, sondern auch der Linde (dem Freiheitsbaum der Deutschen!) wieder wurzeln und sich ausbreiten.


Kurpalz – gelobtes Lond

Kaum is die letscht Kärsch uff de Zung explodiert
Un hodd uns än Hochgenuss serviert,
Duun on de Bääm schun gewaldisch schwelle
Die Feige un Quetsche un Mirabelle.

Sie schenke uns unsan neggschde Genuss,
Frisch vom Boom, odda gekocht als Mus,
Un neewe droo uffm Walnussboom
Reift uns schun widda än Goschedroom...

 

Das Jüdische Neujahrsfest Rosch ha-Schana (Haupt des Jahres) beginnt 2019 am Sonntagabend, 29. September und endet am Dienstagabend, 01. Oktober. Schana tova!